Samstag, 25. März 2017

REZENSION: Das Nest


Titel: Das Nest
Autorin: Cynthia D'Aprix Sweeney
Seiten: 410
Verlag: Klett-Cotta



Kurzinhalt (Verlagstext):

Melody, Jack, Bea und Leo sind Geschwister. Sie sind in ihren Vierzigern, stehen mitten im Leben und sie haben immer gewusst, sie würden eines Tages erben. Aber was, wenn die Erbschaft ausbleibt? Ein warmherziger, humorvoller und scharfsinniger Roman darüber, wie der Kampf ums Geld Lebensentwürfe und Familien durcheinanderbringen kann.

Als Kinder haben sie einander geneckt, als Erwachsene verbindet die Geschwister Melody, Jack, Beatrice und Leo Plumb nur noch eine gemeinsame Erbschaft. Mitten in der Finanzkrise brauchen alle dringend Geld. Melody, Hausfrau und Mutter, wachsen die Ausgaben für ihr Vorstadthäuschen und die Collegegebühren ihrer Töchter über den Kopf. Antiquitätenhändler Jack hat hinter dem Rücken seines Ehemanns das Sommerhaus verpfändet. Beatrice, erfolglose Schriftstellerin, will endlich ihr Apartment vergrößern. Doch kurz bevor das Erbe ausbezahlt wird, verwendet ihre Mutter es, um Playboy Leo aus einer Notlage zu helfen. Unfreiwillig wiedervereint, müssen die Geschwister sich mit altem Groll und falschen Gewissheiten auseinandersetzen. Aber vor allem müssen sie irgendwo frisches Geld auftreiben …
Meisterhaft erzählter, böser und witziger Familienroman.



Meine Meinung:

Cover und Titel könnten nicht passender sein: Vier verschiedene, aber offenbar doch erwachsene Vögel hocken um den Schriftzug "Das Nest" und damit symbolisch um den Ort ihrer Herkunft, den sie offenbar nicht verlassen wollen. Sie sitzen da, als würden sie auf etwas warten.

Tatsächlich stehen die vier Vögel für die vier Geschwister Melody, Jack, Bea und Leo. "Das Nest" bezeichnet ihr Elternhaus, ihre Herkunftsfamilie. Und vielleicht hätte das Bild von Aasgeiern sogar noch besser gepasst, denn tatsächlich warten die vier darauf, dass ihnen ihr Erbe ausgezahlt wird, was mit dem 40. Geburtstag der jüngsten der Geschwister, Melody, auch geschehen soll.

Doch kurz vorher muss der Älteste, Leo, aus einer selbst verschuldeten Notlage gerettet werden und erhält von der Mutter das komplette Geld.

Es zeigt sich nun, dass die vier bunten Vögel (die Familienmutter, die Künstlerin, der Homosexuelle, der Lebemann) auf dem Cover tatsächlich in eine regelrecht Starre verfallen: zwar wunderschön anzusehen, aber im Prinzp unfähig, sich der neuen Situation anzupassen, wegzufliegen und sich selbst zu versorgen.

Und das, obwohl jeder von ihnen bereits in seinen Vierzigern ist. Doch jeder von ihnen hat das Geld, das nun weg ist, im Prinzip schon verplant, wenn nicht sogar schon auf eine gewisse Art ausgegeben.

Diese Konstellation reicht aus, um wirklich einen "bösen und witzigen Familienroman" zu gestalten, wie im Klappentext versprochen, leider entwickelt sich keinerlei Energie aus den Geschehnissen, die Geschichte plätschert in sehr seichtem Fahrwasser vor sich hin und konnte mich nicht wirklich begeistern.
Mit anderen Worten: Ich war gelangweilt.

Die Figuren wirken unsymphatisch, kreisen um sich und das Nest, ohne sich je nach vorn zu entwickeln. Man wartet als Leser, dass etwas passiert, doch das ist nicht der Fall.
Die Erzählstränge verwirren sich vielmehr zum Teil in Rückblenden und gegewärtigen Handlungen. Nebenfiguren werden aufgebaut und nicht weiter verfolgt.
Und immer wieder dazwischen Beschreibungen von New York.
 

Fazit:

Woody Allen wäre vielleicht begeistert, ich hatte Probleme, immer wieder in die Geschichte hineinzukommen, deren Figuren keine wirkliche Entwicklung nehmen. Schade.






Donnerstag, 23. März 2017

REZENSION: Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin

Titel: Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin
Autorin: Ingeborg Gleichauf
Seiten: 350 Seiten
Verlag: Klett-Cotta 



Kurzinhalt (Verlagtext):

Gudrun Ensslin gehörte zur Führungsspitze der RAF und war zugleich weit mehr: eine literarisch hochgebildete Person. Umfassend beschreibt die Autorin Ensslins geistige wie politische Entwicklung und zeigt, wie aus dem intellektuellen Bürgertum des Nachkriegsdeutschlands gewaltbereite Radikalisierung möglich war.

Im Mittelpunkt dieser Biographie steht eine extreme Person und ihr extremer Lebensweg. Ingeborg Gleichauf räumt mit den gängigen Klischees und Vorurteilen auf, die Gudrun Ensslin als Produkt eines provinziellen Pastorenhaushalts sehen. Sichtbar wird vielmehr eine vielseitig begabte Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Souverän schildert die Autorin die Zeitumstände, die die Entwicklung einer Gewaltbereitschaft begünstigt haben. Ensslins Lebensweg prägten nicht sie allein. Ihre intensive Schreibtätigkeit und die Literaturbegeisterung waren zentral für ihre Weltanschauung. Die Autorin zeichnet alle Lebensstationen nach und widmet sich ausführlich den bisher vernachlässigten Kindheits- und Jugendjahren Ensslins. Eindringlich schildert sie Ensslins Beziehungen. In einer besonderen Verbindung von Erzählung und Analyse gelingt es ihr, uns eine ebenso schwierige wie vielschichtige Person nahezubringen, die unsere Gesellschaft radikalverändern wollte.


Meine Meinung:

Viel ist schon über die RAF geschrieben worden und ihre bekanntesten Köpfe Baader, Ensslin, Meinhoff. Viel darüber nachgedacht worden, wie Menschen sich derart radikalisieren können, dass sie ihr komplettes vorheriges Leben hinter sich lassen und jahrelang eine Spur von Gewalt und Tod durch Deutschland zogen.

Dass ein Großteil des vermeintlichen Wissens der Biographen oft auf Hörensagen beruht, auf einer subjektiven Betrachtungsweise, die sich vor allem im Fall von Ensslin oft auf deren Herkunft aus einer "strengen Pastorenfamilie" beschränkte, dies weist die Ingeborg Gleichauf bereits eingangs in ihrem Buch überzeugend nach - und lehnt diesen Ansatz gleichzeitig ab.

Egal ob in Buch oder Film - die RAF-Führungsriege wurde stets unter der Folie des jeweiligen Verfassers betrachtet, der selbst beeinflusst war von seiner eigenen Herkunft, seinem Geschlecht oder einfach seiner Fantasie. Die oft angewendet werden musste, da die Quellenlage vor allem bezüglich des Vorlebens der Terroristen oft dünn ist.

Auch Gleichauf kann sich nur auf die vorhanden Quellen beschränken. Jedoch bezieht sie noch zusätzliche Dokumente mit ein, zu der auch die Literatur der Zeit gehört, die vor allem Ensslin in ihrem Studium definitiv gelesen hat.

Gleichauf hat diese Literatur mit einer unglaublichen Akribie gelesen, ohne jedoch in eine einseitige Interpretation zu verfallen, sondern in "Poesie und Gewalt" verschiedene Deutungsmöglichkeiten aufgezeigt, die jedem Leser es überlassen, sich selbst ein vielschichtiges Bild von Gudrun Ensslin zu machen.

Tatsächlich nähert sie sich der Figur Ensslin so auf sehr viel komplexerem Wege an. Schließlich handelte es sich hierbei um eine vor allem in der 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts literarisch interessierte und diese Leidenschaft auch im Studium und schließlich Dissertation verfolgende kluge Frau, deren Lebensweg an bestimmten Stellen durchaus eine andere Richtung hätte nehmen können.

Gleichauf liest, was Ensslin gelesen hat. Befasst sich mit der Literatur der Zeit, mit der Literatur aus Ensslins Schulzeit, ihres Studiums, der gewählten Seminare.
Dabei zitiert sie immer wieder für sie markante Stellen, wobei offen bleiben muss, ob auch Ensslin diese in gleicher Weise beeindruckt haben.

Hier muss die Autorin aufpassen nicht die selben Fehler zu begehen wie die Biographen vor ihr. Nicht jeden prägt jedes Buch gleichermaßen, nicht jeder bleibt am gleichen Satz als "besonderem" hängen. Es wird deutlich, dass die schmale Quellenlage auch die Autorin gelegentlich dazu verführt, bestimmte Annahmen vorwegzunehmen.

Dennoch hat man nie den Eindruck, dass ihr Deutungsmuster ein vorgefertigtes ist, vielmehr nimmt sie den Leser mit auf eine vielschichtige Reise durch all die Lebensstationen Ensslins von ihrer Geburt bis zu ihrem selbst gewählten Tod.

Gerade zum Schluss hin wird es aber auch für die Autorin immer schwerer, die oft wirren Zeugnisse aus dem Gefängnis angemessen zu verstehen und in Beziehung zu der von ihr in den Mittelpunkt gestellten Figur zu setzen.

Da, wo es von Ensslin keine Dokumente gibt, befragt sie Zeitzeugen oder historische Dokumente - aber stets unter dem Hinweis, dass dies nur unter der Folie der Subjektivität erfolgen kann. So zeigt sie auch immer wieder Widersprüche und Brüche auf, die jedem Menschen eigen sind.

Ein Herangehensweise, die überzeugt und besticht. Denn das Leben ist nicht immer geradelinig. Menschen ändern sich, abhängig von Begegnungen, Geschehnissen und ihrer eigenen Denkweise.


Fazit:

Es ist es ein unglaublich interessanter und sehr arbeitsintensiver Ansatz, sich Gudrun Ensslin auf diese Weise zu nähern, zumal bis zum Schluss klar ist, dass auch dieses Buch keine objektiven Wahrheiten beinhalten kann.
Dennoch hat er mir die Person Gudrun Ensslin noch einmal in ganz neuer Weise näher gebracht, die eben nicht nur "Gewalt", sondern auch "Poesie" verkörperte.


Dienstag, 21. März 2017

REZENSION: Wunderpferde - Eine Freundin wie Halla



Autorin: Astrid Frank
Titel: Wunderpferde - Eine Freundin wie Halla
Seiten: 128
Verlag: Thienemann



Kurzinhalt (Verlagstext):

Luisas Stute Donna ist das springstärkste Pferd im Stall – wenn sie Lust hat. Meist steckt ihr Kopf jedoch voller Flausen. Doch Luisa glaubt fest an sie und versucht, nicht auf die gemeinen Kommentare der anderen Mädchen zu hören, die fürchten, Donna könnte ihnen den Sieg beim bevorstehenden Turnier vermasseln. Und tatsächlich zeigt Donna im ersten Durchlauf, was in ihr steckt – bis Luisa sich verletzt. Jetzt kommt es ganz allein auf die unberechenbare Donna an!
 Ein fesselndes Pferdebuch basierend auf der wahren Geschichte eines echten Wunderpferds: Halla – das legendäre Springpferd.

Meine Meinung:

Was mich von Anfang an für dieses Buch eingenommen hat, ist der wunderbare Blick der Autorin, der nicht nur auf die typischen Zickereien von Reitermädchen geworfen wird, sondern auch auf die Besonderheiten der Pferde.

Hier schimmert ein unglaubliches Verständnis und eine eindeutige Liebe der Autorin für diese Tiere durch.
Allein die Beschreibung, wie sich zwei Pferde genüßlich den Widerrist gegenseitig massieren, hat mir mehr als ein Schmunzeln entlockt.
Wer Pferde bei dieser hingebungsvollen Aufgabe schonmal beobachtet hat, weiß, was ich meine.

Insofern gibt es in diesem Buch nicht nur die Welt der Mädchen, sondern auch die der Pferde, auch wenn sich diese beiden Welten immer wieder berühren und bedingen.

Luisas Pferd Donna ist ein Pferd, dass nicht so "funktioniert", wie die anderen Mädchen sich das vorstellen. Während sie ihren eigenen Pferden im wahrsten Sinne des Wortes die Sporen geben, kann Luisa ihr Pferd gut "lassen", auch wenn dies dazu führt, dass Donna gern ihren eigenen Kopf durchsetzt.

Während dies bei den anderen Mädchen aber zu Spott und Hohn führt und sie Luisa schneiden, führt dies auch zu einem unglaublichen Vertrauen zwischen Pferd und seiner kleinen Reiterin, das später in einem unglaublichen Turnier gipfelt.

Als ich dann noch im Anhang las, dass diese Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht und es solch ein Springpferd wirklich gab ("Halla", wie im Untertitel deutlich wird), war ich mehr als fasziniert.

Insofern ist dieses Buch nicht nur eine Geschichte über die Akzeptanz des "Anderen", der sich vielleicht nicht in die Reihe eingliedert, sondern auch die eines sehr besonderen Pferdes, welche jeden Reiter darüber nachdenken lassen sollte, welchen Umgang er mit seinem Tier pflegen möchte.

"Wunderpferde" regt einen auf jeden Fall dazu an und es ist ein Verdienst der Autorin, solche Gedanken bereits in ein Kinderbuch einfließen zu lassen. Man hofft,  dass dadurch mehr kleine Menschen solche "Pferdeflüsterer" werden.

Im Anhang gibt es dazu auch noch einmal einen Glossar mit interessanten Details wie etwa "Horsemanship" und "Bodenarbeit".

Unbedingt erwähnenswert sind auch die zauberhaften Bilder, die Cathy Ionescu geschaffen hat. Der Schalk blitzt regelrecht der gezeichneten Donna aus den Augen.


Fazit:

Ein wundervolles Buch über das Anderssein. Über den Anderen lassen können. Und die Folgen, die dies haben kann.
Insofern sei es nicht nur Kindern ans Herz gelegt.


Samstag, 18. März 2017

REZENSION: Leberkäs-Junkie (Hörbuch)

http://amzn.to/2nz0hLtTitel: Leberkäs-Junkie (Eberhofer 8)
Autorin: Rita Falk
Länge: 7 CDs, 554min.
Sprecher: Christian Tramitz



Kurzinhalt:

Schwere Zeiten für den Eberhofer Franz: Seine Cholesterinwerte sind so hoch wie seine Laune im Keller ist. Statt Schlemmerorgien bei der Oma gibt's nur noch Kaninchenfutter auf dem Teller. Obendrein stresst die Susi mit knallhart durchorganisierten Besuchszeiten für Franz Junior. Und als wäre das alles noch nicht genug, steht der Franz ausgerechnet jetzt vor dem schwierigsten Fall seiner Ermittlerkarriere: ein Toter im Fremdenzimmer bei der Mooshammer Liesl, mit Brandpaste beschmiert und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Alles deutet darauf hin, dass der Mörder aus Niederkaltenkirchen stammt...



Meine Meinung:

So langsam ist echt die Luft raus aus der Eberhofer-Reihe. Eine Zeitlang war ich regelrecht süchtig nach den Hörbüchern, momentan quäle ich mich da durch.
Endlos ziehen sich die Beschreibungen von Niederkaltenkirchen und seinen Einwohnern - aber alles schon x-mal dagewesen und bekannt. Der Funke springt nicht mehr über.

Dazu der Mordfall, der irgendwie immer nur mal hin und wieder eine Reihe spielt zwischen Baby-Besuchen und dem "Babba" auf Freiersfüßen.

Aber selbst hier fehlt es mir oft an Tiefe. Eigentlich hätte dieses Baby so viele Neuheiten und frischen Wind in die Figurenkonstellationen bringen können.
Franz ist jetzt immerhin Vater und so liebevoll, wie er immer mit der (S)ushi umging, fehlen diese emotionalen Momente jetzt doch mit seinem Sohn.

Auch die Susi spielt kaum noch eine Rolle, alles wird nur noch angeschnitten, um es irgendwie im Buch unterzubringen, aber einen richtig roten Faden vermisst man.

Selbst bei Christian Tramitz habe ich langsam das Gefühl, dass er nicht mehr so recht Lust auf diese Rolle hat.


Fazit:

Schade, es war wirklich mal eine tolle Reihe, aber vielleicht sollte Rita Falk mal eine Schaffenspause einlegen.


Bisher von mir aus der Reihe rezensiert:
  1. Winterkartoffelknödel
  2. Dampfnudelblues
  3. Schweinskopf al dente
  4. Grießnockerlaffäre
  5. Sauerkrautkoma
  6. Zwetschgendatschikomplott
  7. Leberkäsjunki

Donnerstag, 16. März 2017

REZENSION: Der Blaubeersommer (Hörbuch)

Titel: Der Blaubeersommer
Autorin: Polly Horvath
Länge: 4 CDs, 320 min.
Sprecher: Friedhelm Ptok


Kurzinhalt (Verlagstext): 

Die schüchterne Ratsche soll zum ersten Mal allein in die Ferien fahren. Aber muss es gleich zu zwei exzentrischen uralten Tanten sein, die in einem einsamen Haus in der Wildnis leben, nur umgeben von Blaubeeren und wilden Bären? Nicht einmal der Postbote scheint den Weg dorthin zu finden, und ein funktionierendes Telefon gibt es auch nicht …
Mit ihrem wunderbaren Sinn für Humor und exzentrische Charaktere hat Polly Horvath eine warmherzige, geistreiche und ungeheuer komische Geschichte geschrieben.
Von Friedhelm Ptok meisterhaft interpretiert, ein ebenso tiefgründiges wie kurzweiliges Hörvergnügen.


Meine Meinung:

Am Anfang habe ich gedacht: Was soll das denn bitte sein? Wo soll das alles hinführen?

Ratsche (so genannt nach einem Werkzeug!) wird zu ihren ihr unbekannten Tanten verfrachtet und hört dort zunächst einmal Geschichten darüber, wie deren Mutter sich selbst (!) geköpft hat. Da habe ich aber nicht das erste Mal geschluckt.
Nachdem ich bereits von Ratsches eigener Geburt gehört hatte, bei der die Gebärende mit Plazenta (!) geworfen hat.

Ihr merkt es schon an all meinen Ausrufezeichen: Das soll ein Kinderhörbuch sein?
Diese Frage kann ich definitiv nicht abschließend beantworten. Vieles ist ziemlich eklig, hochphilosophisch oder einfach nur verschroben.

Beantworten kann ich aber nach mittlerweile 4 CDs mit Ratsche und all den wunderlichen Menschen, auf die sie trifft, dass dieses Hörbuch vor allem in eine Richtung führt: in den Wald hinein, zu dem kleinen Haus mit den Bären und Beeren rundherum, zu einer gewissen Ruhe, die sich irgendwann über einen legt.

Ja, hier gibt es keine großen Geschehnisse mit unglaublicher Spannung oder atemraubenden Ereignissen. Hier gibt es den Blick auf das Kleine: Mädchen, die im Garten graben, Beeren, die im Haus vor sich hin schimmeln und zwei alten Tanten, die ein Telefon haben, mit dem man nicht mal hinaustelefonieren kann.

Es ist ein Sommer, wie in der eigenen Kindheit, in der die Tage noch lang und heiß waren und man sich um nichts Gedanken machen musste.

Man gewinnt sie lieb, diese merkwürdigen Charaktere, und lässt sich ein auf diesen ziemlich schrägen Haushalt, zu dem noch weitere Personen hinzukommen werden.
Und stellt irgendwann fest: Man mag sie.
Ist gern zu Gast.


Fazit:

Ein wirklich erstaunliches Hörbuch, das meine ersten Vorurteile völlig ins Gegenteil verkehrt hat. Muss ich definitiv noch einmal hören.
Ist aber wirklich nichts für Kinder.
Oder?


Dienstag, 14. März 2017

REZENSION: Layers (Hörbuch)

Titel: Layers
Autorin: Ursula Poznanski
Länge: 1 MP3-CDs, 765min.

Sprecher: Jens Wawrczeck


Kurzinhalt:  

Dorian lebt auf der Straße und steckt so richtig in der Klemme: Er fühlt sich von der Polizei verfolgt. Unverhofft hilft ihm ein Fremder und versteckt ihn in einer Villa, wo Dorian Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält. Doch umsonst ist nichts im Leben. Als Gegenleistung soll er geheimnisvolle, versiegelte Werbegeschenke verteilen. Als Dorian eines der Geschenke für sich behält, gerät sein Leben in Gefahr.


Meine Meinung:

Was habe ich mich auf den neuen Poznanski gefreut.
Bücher von ihr hole ich mir blind - unabhängig von der Inahltsangabe.
Leider war ich bereits von der letzten Zusammenarbeit (Poznanski-Strobel: "Fremd") schon etwas enttäuscht.

Und auch "Layers" - wieder ein Alleinwerk der Autorin - konnte mich nicht überzeugen, obwohl der Hintergrund der Geschichte wie von ihr gewohnt sehr aktuell ist: Fake-News; nicht alles glauben, was man sieht etc.
Nicht umsonst sind "Layers" Lagen oder Schichten, die sich über die Wirklichkeit legen.

Leider war die Umsetzung unglauuuuuuublich langweilig.
Zwei Drittel des Buches bestehen daraus, dass Dorian morgens aufwacht, durch die Straßen rennt, Dinge sieht, wieder schlafen geht. Und täglich grüßt das Murmeltier.
Ich bin bald nicht mehr geworden und hab mich ewig da durch gequält.

Es ist mir ein Rätsel, warum sie das so unglaublich in die Länge gezogen hat. Dabei ist der Anfang durchaus sehr gelungen und spannend. Bis zu dem Punkt, wo Dorian in die Villa einzieht und geheimnisvolle Werbegeschenke verteilen soll, fiebert man durchaus mit und ist gespannt, wie alles weiter geht.

Vor diesem Rätsel schien dann allerdings auch die Autorin selbst getanden zu haben, anders kann ich mir nicht erklären, warum sie dann solange Dorian sinnlos durch die Gegend schickt und man sich am Schluss leicht veralbert vorkommt. Viele Rätsel werden nicht wirklich befriedigend aufgeklärt.


Hinzu kam, dass mir Jens Wawrczeck als Dorian irgendwann unglaublich auf den Keks gegangen ist. Nichts gegen des Sprecher, ich liebe ihn bei den "Drei Fragezeichen". Aber dieser permanente Kreislauf, in dem Dorian sich befindet, führte dazu, dass man ihm irgendwann nicht mehr zuhören wollte.

Fazit:

Pozanski hat unstreitbar ein unglaubliche Fantasie und versteht es, die Fragen der Zeit anzupacken und dabei Figuren und Geschehnisse zu gestalten.
Aber zwei Drittel des Buches hätte man sich diesmal sparen können.
Wäre dies mein erstes Buch der Autorin gewesen, hätte ich sicher kein weiteres von ihr angerührt. So kann ichh zumindest sagen: Das war leider nicht der beste Poznanski.


Bisher habe ich von ihr gehört und rezensiert:

Poznanski, Ursula: Blinde Vögel (Hörbuch)
Pozananski, Usula: Die Verratenen - Eleria 1 (Hörbuch)
Poznanski, Ursula: Die Verschworenen - Eleria 2 (Hörbuch)
Poznanski, Ursula: Die Vernichteten - Eleria 3 (Hörbuch)
Poznanski, Ursula: Erebos (Hörbuch)
Poznanski, Ursula: Fremd (Hörbuch)
Poznanski, Ursula: Fünf (Hörbuch)
Poznanski, Ursula: Saeculum (Hörbuch)
Poznanski, Ursula: Stimmen (Hörbuch)

Sonntag, 12. März 2017

REZENSION: Wings - Der mysteriöse Mr. Spines 1 (Hörbuch)

Titel: Wings - Der mysteriöse Mr. Spines 1
Autor: Jason Lethcoe
Länge: 3 CDs, 209min

Sprecher: Jens Wawrczeck


Kurzinhalt (Verlagstext):

Edward ist alles andere als der klassische Heldentyp: Er stottert, geht auf eine Schule für schwer erziehbare Jugendliche und baut am liebsten Kartenhäuser. Dann ist da auch noch diese merkwürdige Stelle auf seinem Rücken, die juckt und juckt - bis ihm eines Tages schwarze Flügel wachsen! Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr so, wie es war.
Mit dem mysteriösen Mr. Spines reist er in die Welt nach dem Tod, die von dem finsteren Schakal beherrscht wird. Ob Edward tatsächlich der Sohn eines gefallenen Engels und damit der prophezeite Erlöser ist?


Meine Meinung:

Ganz untypisch muss ich gleich mal mit dem Ende dieses Hörbuches anfangen.

Keine Sorge, ich verrate nicht zuviel. Kann ich auch gar nicht. Dieses Hörbuch hat nämlich kein Ende. Es hört mitten in der Handlung auf. Das kann man nicht mal mehr als "Cliffhanger" bezeichnen.

Und das hat mich unglaublich aufgeregt. Tatsächlich habe ich sogar gesucht, ob ich eine CD übersehen habe. Aber nein. Das ist so gewollt. Nachfolger kaufen!

Aber das will ich gar nicht. Denn dieser erste Teil hat nicht ausgereicht, damit ich mich auf einen Nachfolgeband freue. Daran ändert auch diese unmögliche Verlagsphilosophie nichts, die Geschichte mittendrin abzubrechen.

Zwar war der Anfang durchaus vielversprechend: der juckende Rücken, die Flügel, die sich langsam Bahn aus dem Körper von Edward brechen, die schreckliche Schule, in die er geht.

Aber danach wurde es wuselig: Zuviele Figuren, zuviele Nebenhandlungen, zuviel Gewolltes.
Und immer hat man nur den Eindruck, hier geht es darum, möglichst VIEL Fantastisches in die Geschichte hineinzubringen.
Aber das passiert so lieblos, mit so wenig Gefühl für die Figuren, dass mich weder diese Welt noch die Story fesseln konnte.

Fazit:

Da ist leider wieder jemand auf den Fantasy-Zug aufgesprungen, ohne sich genug Zeit zu nehmen, die Welt, in der Edward lebt, aufzubauen.
Schade, der Anfang war durchaus vielversprechend und auch das Cover wunderschön.