Sonntag, 7. Juli 2013

REZENSION: Auszeit

Autorin:    Claudia Breitsprecher
Verlag:      Krug & Schadenberg
Seiten:      219


Kurzinhalt:

Die Politikerin Dr. Martina Wernicke fällt bei einer Wahlkampfrede einer Messerattacke zum Opfer.
Zurückgezogen in einem brandenburgischen Dorf stellt sie den Verlauf ihres bisherigen Lebens in Frage.



Meine Meinung:

Das Buch setzt zu einem Zeitpunkt ein, da Martina zwar körperlich wieder genesen ist, aber mit den mentalen Spätfolgen des Anschlages zu kämpfen hat. Sie zieht sich in das Haus ihrer Politfreundin Frauke in einem brandenburgischen Dorf zurück

Dieser Rückzugsort, vor allem der Garten des Hauses, in dem Martina sich nun oft wiederfindet, wird von der Autorin so anschaulich beschrieben, dass der Leser am liebsten selbst zur Gießkanne greifen würde, um mal hier und da Pflanzenpflege zu betreiben.

In Zeiten der Krise, beginnt man langsam zu gehen, die Welt neu zu sehen, überhaupt wieder zu SEHEN.


Die detaillierten Beschreibungen zeugen zudem von einer bemerkenswerten Beobachtungsgabe der Autorin, die sie auch schon in anderen Büchern bewiesen hat (z.B. in: Bringen sie doch ihre Freudin mit), wobei die geneigte Leserin sich automatisch irgendwann fragt, welche Zeilen Breitsprecher in den Kopf kämen, wenn man ihr selbst gegenüber stünde.

Sehr schön karikiert sind in diesem Kontext auch einige Einwohner des Dorfes, die einem sicher schon auf die eine oder andere Art in Brandenburg begegnet sind.

Und doch bleibt stets die Bedrohungssituation spürbar, die für jeden Menschen präsent bleibt, der Opfer eines wie auch immer gearteten Traumas geworden ist.


Körperliche Folgen kann man sehen, die anderen nicht. Und insofern beginnt nun auch der Druck von außen zu Rückkehr ins "normale Leben".


Doch was ist letztlich das "normale Leben"?
Martina stellt das ganze Politkgeschäft in Frage, wobei Breitsprecher hier einen interessanten Einblick in die Realpolitik gibt. Das Abwägen für's Regieren, das Verkaufen der Ideale - großartig!

Martina denkt zudem an ihre Lebensgefährtin Eleni, für die sie aufgrund ihres Arbeitsalltages im Prinzip keine Zeit mehr hatte.
Es sind Gedanken, die möglicherweise jeden von uns an einem bestimmten Punkt im Leben schon einmal umgetrieben haben oder umtreiben sollten: Karriere oder Familie? Erfolg oder Liebe? Und muss das eine das andere ausschließen?

Hochaktuell ist insofern in unserer oft schnelllebigen Gesellschaft die Thematik dieses Buch und man möchte das Titelbild mit dem Schriftzug "AUSZEIT" dem einen oder anderen gern einmal wie eine gelbe Karte beim Fußball vor Augen halten. Oder auch sich selbst. Für eine Zeit des Innehaltens, des Insichgehens, des Überdenkens des bisherigen Lebens.

Linien werden ebenso deutlich wie Brüche.
Und es bleibt der Nachdenkenden letztlich selbst überlassen, wie sie weiterleben möchte.


Fazit:
Ganz wunderbar. Ein Buch zum Innehalten, sich-selbst-neu-denken. Für eine Auszeit.



Manchmal braucht es eine "Auszeit". Lesen!

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